MYOFASZIALES SYNDROM 
chronisches, generalisiertes myofasziales Syndrom, myofasziale Syndrome
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Begriffsdefinition

Der Wortteil "Myo" steht für Muskel und der Wortteil "faszial" ist eigentlich falsch geschrieben, korrekt müßte es "fasc ial" heißen, also mit c geschrieben, denn dieser Begriff leitet sich von "Fascia" ab und Fascia steht für die bindegewebige Hülle der Skelett muskeln.
Unter einem Syndrom versteht man ein ein Krankheitsbild, das stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen auftritt, wobei aber die Ursachen unbekannt oder nur teilweise bekannt sind.

Die Bezeichnung "myofasziales Syndrom" (myofasziale Syndrome) ist eigentlich eine Abkürzung, gemeint ist damit der Begriff "myofasziales Schme rz syndrom". Nicht wenige Autoren verwenden den Begriff "myofasziales Syndrom" bzw. "myofasziales Schme rz syndrom" als Synonym (= anderes Wort für die gleiche Bedeutung) für Rückenschmerzen, was aber nicht richtig ist. Natürlich kann ein Rückenschmerz eine myofasz iale Ursache haben, aber eben nicht nur ein Rückenschmerz.

Ein myofasziales Syndrom kann

  1. örtlich begrenzt oder
  2. generalisiert (= allgemein ausgebreitet)

auftreten. Disponierende Faktoren (= zu einer Anfälligkeit führende Voraussetzungen) für ein lokales myofasziales Syndrom sind Trainingsmangel, Statikstörungen, einseitige Belastung, Hyper- oder Hypomobilität (= zu viel oder zu wenig Bewegung) etc.
Zur Schmerztherapie der lokalen (= örtlichen) Variante hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) im Bereich von Muskel -Triggerpunkten und schmerzhaften Sehn en ansätzen oder von sonstigen Reizzentren bewährt . Dabei werden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) in einer Dosierung von wenigen Millilitern in die Muskulatur bzw. an die Sehn en ansätze gespritzt. Umfasst ein myofasziales Syndrom größere Bereiche, können auch zugehörige Nerven wiederholt blockiert werden.
Die häufig zu beobachtende, anhaltende Wirkung beruht auf einer begleitenden Sympathikolyse, die zu einer Erweiterung der beteiligten Blutgefäße führt, woraus eine deutliche Durchblutungssteigerung resultiert.
 

Ein generalisiertes (= allgemein ausgebreitetes)  myofasziales Syndrom liegt beim Fibro myalgie - Syndrom vor.

Schätzungsweise leiden 2% der Bevölkerung, überwiegend Frauen, unter einem Fibro myalgie - Syndrom. Derartige Schätzungen sind aber mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jeder Arzt weiß, was ein Fibro myalgie - Syndrom ist und kann deshalb diese Schmerzkrankheit gar nicht diagnostizieren.
Dann gibt es andere Ärzte, die das Fibro myalgie - Syndrom zwar kennen, aber es nicht als eigenständige Schmerzerkrankung gelten lassen, sondern mehr "psychische Aspekte" (um es vorsichtig auszudrücken) dahinter vermuten. Leider sind diese Ärzte häufiger bei Begutachtungen anzutreffen, so z.B. im Auftrag der Rentenversicherungen. Entsprechend fallen die Gutachten aus und werden dem Leidensbild der betroffenen Patienten in keinster Weise gerecht. Man könnte ganze Bände darüber schreiben!

Wie kann ein Patient selbst merken, daß bei ihm ein myofasziales Syndrom vorliegt ? Hier ein paar grobe Anhaltspunkte, die natürlich diese Diagnose nicht definitiv bestätigen, dies muß einem (erfahrenen) Arzt vorbehalten bleiben.

Wenn von diesen 6 Kriterien 4 zutreffen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, an diesem Syndrom (generalisiertes, myofasziales) zu leiden.

Diese Web-Seite soll dazu beitragen, ein myofasziales Syndrom bzw. Fibromya lgie- Syndrom möglichst frühzeitig zu erkennen, damit die betroffenen Patienten rasch einer adäquaten Therapie zugeführt werden können und damit meinen wir die Spezielle Schmerztherapie.

Hier nun eine ausführliche Beschreibung der Krankheit

Das Fibromya lgie- Syndrom ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheuma tischen" Beschwerden im muskuloskelettalen (= Muskeln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerzschwelle gekennzeichnet. Bei diesen Ganzkörperschmerz en liegt eine Kombination von psychischen, neurologischen und funktionellen Störungen vor.

Ein generalisiertes myofasziales Syndrom kann mit folgenden Symptomen (= Krankheitszeichen) einhergehen:
Quelle: Prof. Dr. W. Müller, Prof. Dr. Wolfe, Prof. Dr. P.A. Berg

Tender-Points (= Schmerzdruckpunkte) 90,1-100 %
Myalgie (= Muskelschmerz) 80-97,6 %
Hyperhidrosis (= krankhaft vermehrt Schweißbildung) 76 %
Morgensteifigkeit 67-77 %
Arthralgie (= Gelenkschmerz) 60 %
Unverträglichkeitsreaktionen / Allergien 60 %
Kopfschmerz / Migräne 52,8-95 %
Depressionen 31,5-51 %
Chronische Müdigkeit 50-81,4 %
Colon irritable (= Reizdarmsyndrom) 29,6-40 %
Dysmenorrhoe (= schmerzhafte Regelblutungen) 40 %
Subjektive Schwellungen 38 %
Schlafstörungen / fehlende Tiefschlafphase 74,6-92 %
Konzentrationsschwäche 32 %
Abgeschlagenheitsgefühl 32 %
Schwindelgefühl 27 %
Parästhesien (= Kribbeln, Prickeln, Taubsein) 21-62,8 %
Ekchymosen (= kleine fleckige Blutungen / blaue Flecken) 20 %
Sicca-Symptome (= Trockenheit der Schleimhäute) 35,8-77 %
Subfebrile Temperaturen (37,1 – 38,0°) 11 %
Blasenschmerz bei Reizblase 10-26,3 %
Raynaud Krankheit (= Durchblutungsstörungen der Hände u. Füße) 15-16,7 %
Tachykardie/Arrhythmie (= erhöhte bzw. unregelm. Herzfrequenz) 24-50 %

Hinzuzufügen wären noch das Restless legs-Syndrom (= unruhige Beine), das bei ca. 40% unserer Fibromy algie -Patienten vorlag. Erwähnenswert ist noch eine neuroendokrine Dystonie (= Drüsen- und Nervenstörungen) (Hoerster 1997).

Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch: Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Streß mit rascher Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung. 
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase), verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen Schlaf. 
Depression
und andere psychische Störungen bestehen bei mehr als 50% der Fibromya lgie-Patienten; häufige Kombination von emotionalem und psychischem Dys streß.

Ein chronisches, generalisiertes myofasziales Syndrom ist eine häufig auftretende Schmerzerkrankung, die nicht auf bestimmte soziologische und ethnische Gruppen sowie Rassen beschränkt ist. Ca 0,7 bis 3,2% der Bevölkerung sind von dieser Schmerzkrankheit betroffen, Frauen viel häufiger als Männer. Dieses Syndrom tritt am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren auf, ist aber auch bei älteren Patienten immer wieder anzutreffen.

Regelmäßig finden sich bei diesem Syndrom (generalisiertes, myofasziales) druckschmerzhafte Punkte an 18 definierten Stellen (Tender points, jeweils links und rechts):

Umgekehrt gibt es 13 nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte (jeweils links und rechts, gilt nicht für Stirnmitte):

In der Regel können keine Organerk rankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie, Immunglobuline und Muskel enzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin, Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv. 
Die Muskelbiopsie (= mikroskopische Gewebeuntersuchung) ist unauffällig. 

Die Komplexität der Symptome (= Krankheitszeichen) läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen (= was sonst noch an Krankheiten in Betracht kommen könnte)

Tritt ein generalisiertes myofasziales Syndrom im Gefolge einer definierten Grundkrankheit auf, so spricht man von einem "sekundären Fibromya lgie- Syndrom". 

Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) sind noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen. 
Psychologische Faktoren, so z. B. psycho-soziale Störungen (Hansen 1991), scheinen aber erheblich zur körperlichen Symptomatik (= Krankheitszeichen) beizutragen. 
Jede Form von körperlichem und seelischem Streß wirkt offenbar schme rz verstärkend (Bengtson et al. 1986, Tilscher et Eder 1985). 
Nach Tilscher und Bogner (1974) werden bei weichteilrheumatischen Syndromen (= Er krankungen) insbesondere depressive Symptome gehäuft gefunden. 
Viele Arbeiten zum Nachweis einer Koinzidenz (= zeitliches Zusammentreffen von Ereignissen) psychopathologischer (= krankhaft psychischer) Phänomene bei Panalgesie (= Ganzkörperschmerz en) -Syndromen sind aber methodisch nicht immer nachvollziehbar. Die Tatsache, daß bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische Erklärung beim Fibromya lgie- Syndrom. Die psychischen Besonderheiten bei einer Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf aufgetreten sein. 
Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen 1991). 
Differentialdiagnostisch (= welche Krankheiten sonst noch in Frage kommen) ist zu bedenken, daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Pana lgesie (= durch 1 Krankheit verursachte Ganz körperschmerzen) auch ein ps ychogenes (= psychisch verursachtes) Syndrom verbergen kann.

Schmerztherapie bei diesen Ganzkörperschmerz en:

Das komplexe Beschwerdebild erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale (= mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im Rahmen der "speziellen Schmerztherapie", optimal in einer Schmerzklinik
Bei multikausaler Genese (= durch verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung) der Panalgie (= Ganzkör perschmerzen) werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum (z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) (= Mittel zur Behandlung der Psyche, aber auch gegen Schme rz en wirksam) sinnvoll.
Hilfreich ist auch eine initiale (= bei Therapiebeginn durchgeführte) 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ® ).
Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der Erk rankung aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität (psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Therapieversuche erneut zu Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub leisten.

Desweiteren ist ein therapeutisches Vorgehen erforderlich, das den multifaktoriellen Ursprung dieser Schmerzerkrankung berücksichtigt. Dazu gehört insbesondere eine begleitende psychologische Schmerztherapie, die zu einer Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz beiträgt (Schmerzbewältigungstraining). 
Eine schmerzdistanzierend e, antidepressive Behandlung sollte frühzeitig eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden Schlafstörungen zu erreichen ist. 
Periphere Analgetika (= Schmerzmittel) können versucht werden, überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu erreichen. Auch der Einsatz von Opioide n (z.B. Morphium) ist oftmals enttäuschend. 
Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung), vor allem Tolperison (Mydocalm®). Alternativ kann Baclofen (z.B. Lioresal®) verordnet werden. 
Auch die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form einer Triggerpunkt-Behandlung, Infiltrationen besonders schmerzhafter Körperbereiche, aber auch Nervenblockaden, falls notwendig sogar kontinuierlich mit Katheter (= eingepflanztem Kunststoffschlauch) (optimal im Armbereich), ist beim Fibromya lgie- Syndrom oftmals hilfreich. 
Bei Vorliegen einer sympathischen Überaktivität sind epidurale (= rückenmarknahe) oder periphere sympathische Blockaden erfolgversprechend. 
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden meist als angenehm empfunden und steigern damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern. Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken. Ohnehin sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B. Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.

Ist ein generalisiertes myofasziales Syndrom fortgeschritten, so ist die notwendige krankengymnastische Therapie meist schmerzbedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt durchführbar, so daß übliche Rehabilitationsbehandlungen mit dem Schwerpunkt "Physiotherapie" zwar nicht umsonst, in aller Regel aber vergeblich sind. Der große Vorteil einer gezielten Schmerzrehabilitation ist der, daß den krankengymnastischen Beübungen jeweils eine intensive ärztliche Behandlung vorgeschaltet werden kann. Mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) läßt sich die Schmerzempfindung deutlich herabsetzen, so daß dann eine sinnvolle Krankengymnastik erfolgen kann.

Nur die konsequente Durchführung der genannten, interdisziplinär (= mehrere medizinische Fachrichtungen betreffende) angelegten Therapiemaßnahmen im Rahmen der speziellen Schmerztherapie kann bei einem generalisierten, myofaszialen Syndrom gar nicht selten eine sogar eindrucksvolle Beschwerdelinderung bewirken.

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Aktualisiert: k u 07.02.2006
A
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T Tarsaltunnelsyndrom (www.tarsaltunnelsyndrom.de),
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<strong>generalisiertes, myofasziales Syndrom</strong>    <strong>chronisches, myofasziales Syndrom</strong>  <strong>myofasziales Syndrom</strong> <strong>myofasziale Syndrome</strong>